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Liebe Freundinnen und Freunde von HohenEichen,

im Treppenhaus unseres Altbaus steht eine große alte Standuhr. Selbst unsere Mitbrüder, die am längsten hier sind, erinnern sich nicht mehr, wie sie nach HohenEichen gekommen ist. Schon seit langer Zeit funktioniert sie nicht mehr und die beiden Gewichte, für die Uhr und für den Schlagwerk, hängen bewegungslos im Gehäuse.

Im Wohnzimmer meines Großvaters, der mit zweien meiner Tanten im Erdgeschoss unseres Hauses wohnte, gab es in meiner Kindheit ebenfalls eine große Standuhr. Mit ihrem unablässigen Ticken verbreitete sie eine ganz eigene Atmosphäre: manchmal nahm man es aufmerksam wahr und konnte so praktisch spüren, wie die Zeit unerbittlich verging.

Dann wiederum geriet sie ganz aus dem Fokus, wenn man sich unterhielt oder beim Kartenspielen war. Manchmal meldete sie sich mit einem schönen hellen Schlagwerk und machte das Vorrücken der Stunden hörbar. Dann durfte man einmal in der Woche das Schlagwerkgewicht aufziehen.

Die Zeit vergeht, ob wir darauf aufmerksam sind oder nicht. Manchmal sehr langsam beim Warten, dann wieder unbemerkt, wenn wir etwas Schönes tun. Oft will die Zeit in der Meditation kaum fortschreiten bis zum nächsten Gongschlag, dann wieder wollen wir im Augenblick verweilen, wenn wir glücklich sind.

Die Zeit ist eine unheimliche Macht - wir haben keine Verfügungsgewalt über sie. Wir können sie nicht anhalten, wir können nicht zurück in die Vergangenheit. Sie geht über alles hinweg - und macht letztlich alles gleich.

In Zahlen liest sich unsere Lebenszeit ziemlich nüchtern. 5200 Wochen hat jemand vor sich, der nach seiner Geburt 100 Jahre leben würde. 600 Wochen lebte er als Kind, 400 Wochen als Teenager. Mit 20 Jahren wären bereits 1000 Wochen des Lebens vorbei. 2500 Wochen verbraucht das Arbeitsleben, wenn man mit 65 Jahren in Rente gehen kann. Für jemand, der 80 Jahre alt wird, verbleiben dann noch 780 Wochen, die man frei gestalten kann. Dies scheint viel, und doch geben wir uns oft kaum die Mühe, hier wirkliche Prioritäten zu setzen, bis - vielleicht überraschend - eines Tages ein Endpunkt in Sicht kommt, wir uns der Grenzen und des Wertes der Zeit wirklich bewusst werden.

Auf ein Bewusstsein dieser Verantwortung machen manche Standuhren mit Inschriften aufmerksam. „Una ex his“ - eine dieser Stunden wird deine letzte sein.

Die Griechen unterschieden in der Zeit den Aspekt des „Chronos“ - der tickenden Uhr - und des „Kairos“ - den mit Erleben gefüllten Augenblick.

So wünsche ich Ihnen zum Start des neuen Jahres 2024 mit seinen 31.622.400 Sekunden mit den Zeilen des Barockdichters Andreas Gryphius weniger Ticken der Uhr und mehr „Quality time“.

 

Betrachtung der Zeit

Mein sind die Jahre nicht / die mir die Zeit genommen.
Mein sind die Jahre nicht / die etwa möchten kommen.
Der Augenblick ist mein / und nehm' ich den in acht
So ist der mein / der Jahr und Ewigkeit gemacht.


Herzlich

Ihr

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Herbert Rieger SJ
Aktuelles

Ignatianische Exerzitien

Vom 16. bis 24. Februar bieten wir den nächsten Kurs ignatianischer Exerzitien an, bei dem noch Plätze frei sind. Begleitet werden sie von Markus Franz SJ, Ursula Grooterhorst und Klaus Kempter.
Anmelden können Sie sich unter anmeldung@haus-hoheneichen.de
Hier erfahren Sie mehr über ignatianische Exerzitien.
 

Ikonen-Schreib-Kurs

„Glaub nicht, der Himmel habe der Erde sich entrückt. Es führen heilige Pfade ins Jenseits und zurück.“ Unter diesem Leitgedanken werden vom 12. bis 17. März Ikonen unter Anleitung von Sr. Maria Francesca Hofer von den Teilnehmenden gemalt/geschrieben.
Weitere Informationen zu diesem Kurs finden Sie hier.
Anmelden können Sie sich unter anmeldung@haus-hoheneichen.de.
 

Kursprogramm online

Das Kursprogramm für 2024 ist online. 
Neben den Klassikern der Ignatianischen und Kontemplativen Exerzitien, den "großen" Exerzitien und den individuellen "Exerzitien nach Maß" gibt es 2024 auch wieder Exerzitien mit Aikido-Elementen sowie einen Ikonen-Schreib-Kurs.
Schauen Sie doch mal ins Online-Programm. Oder laden Sie sich das Programm als pdf-Datei  herunter.